Wir kennen die schönsten Stellen

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Hinterm Rittergut in Stemmen, auf der Südseite des Stemmer Berges beginnt ein unscheinbarer Weg, der uns durch eine schmale Senke führt, die zu einem tiefen Hohlweg wird. Wie auf so vielen Wanderungen haben wir das unheimliche Gefühl, verbotenes Gelände zu betreten. Fast meinen wir, in vollkommene Stille einzutreten, ein schweigendes Zwerglein hinter jeder krummen Wurzel, obwohl über uns in der Sonne reges Gezwitscher herrscht. Vielleicht haben wir uns auch alles nur eingebildet. In naher Umgebung gibt es ein verlassenes Steinkohlebergwerk mit mehreren Förderschächten, vielleicht ist unser Gang nur ein offener Teil der Anlage, wer weiß.

Rolf S. und Otto L.

Otto Lilienthal ist der Mann der (ersten) Stunde. Die Flugwerft Schleißheim/München präsentiert eine Sonderausstellung über den tollkühnen Flieger, dazu einen Nachbau des ersten Fluggerätes und ein paar wurmlöcherige Originalteile, die trotz ihrer Vergänglichkeit eine großartige Lebendigkeit ausstrahlen.

Diorama der ersten Flugversuche

Diorama der ersten Flugversuche

Rolf und Otto

Rolf und Otto

Original Gelenktasche von Otto Lilienthals Fluggerät

Original Flügeltasche von Otto Lilienthals Fluggerät

„Ich ging im Walde so für mich hin …“

Schon die ersten Schritte ins Levester Holz im Frühjahr offenbarten eine befremdliche Unachtsamkeit mit Müll in dieser Gegend. Hier liegt jede Menge Glas, raunten wir erst noch, dann wurde uns klar, dass wir auf einer Müllkippe standen. Vor Zeiten hatte die Gemeinde hier Hausrat entsorgt und – offensichtlich vergessen. Wir fanden zahllose Objekte, die es so heute nicht mehr gibt, Dinge aus unserer Kindheit, Haushaltsbedarf, Flaschen, Eislöffelchen, Cremedosen, Shampoo- und Spülmittelflaschen, Spielzeug, Kleidung, Schuhe – die Plastikgegenstände kaum verrottet, ihre Farben in erschreckender Frische. Wir schätzen den Müllplatz auf ca. 45–50 Jahre, Späteres kam nicht mehr dazu. Die organischen Teile sind längst zu Erde geworden, Papieretiketten haben sich sauber von Untergründen gelöst, Knochenreste scheinen in der Sonne, von Textilien sind nur doch die Chemiefasern übrig. Der Ort ist mit Bäumen bewachsen und jetzt im Sommer kaum auszumachen. Wir graben, sammeln, führen zusammen, und fühlen uns wie Archäologen unserer eigenen Kindheit. Weiterlesen

Tongrube Resse

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Noch etwas karg gibt sich die Tongrube Resse im Frühjahr. Zwei offensichtlich archäologisch Interessierte verlassen die Stelle, als wir ankommen. Sie haben Hacken und Schaufeln dabei. Als wir später ihre Grabung erreichen, finden wir nichts Nennenswertes vor. Trotzdem ist uns die Kuhle wertvoll, ein flaschengrüner See kontrastiert mit dem den Dunkelgrau der Tonschichten, das Material ist weich und wirkt fast ölig. Die Halde mit gebrannten Back- und Schamottsteinen hat sich seit unserem letzten Besuch vergrößert, und wie immer stelle ich mir vor, dass sich einst der frische wieder mit dem gebrannten Ton vermischt, in tausend Jahren oder so. Huflattich blüht schon, aber uns ist zu kalt, um lange zu bleiben.

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