Schnitzen Wald

Hinterm Deister

Im Frühjahr überlegten wir noch, ob es sinnvoll sei, einen Garten zu haben. Unser Traum wäre vielleicht ein wildes Grundstück am Waldrand, ganz in der Nähe. Und da würden wir immer hinfahren und Butzen bauen, Tipis und eine Schwitzhütte und überm Ofen würden Lachse räuchern. Da stecken noch die alten Indianerspiele in uns, sagten wir, ach, und neulich las ich, dass deutsche Einwanderer die einzigen waren, die den Friedensvertrag mit den Indianern nie gebrochen haben, und auch wir haben anscheinend nie gebrochen mit der inneren Indianer-Idylle. Tatsächlich stellen wir uns das Indianerleben heil und mit der Natur unzertrennlich verbunden vor.

Wir kannten einen Garten vom Winter. Er liegt am Waldrand hinterm Deister, man geht vom Parkplatz eine Weile, blickt Richtung Süden nach Messenkamp und gleich hier, hinterm Zaun zwischen Bäumen schaut tatsächlich ein Tipi hervor. Wir sind um den Garten herumgegangen, es gab eine kleine Hütte, ein paar Gewächshäuser und Plätze zum Sitzen und das Gelände war etwas verwildert. Diesen Garten hätten wir so gern, er schien uns perfekt.

Vor ein paar Wochen, als es noch kalt war (dieses habe ich im Juni geschrieben), schauten wir wieder vorbei und entdeckten ein älteres Ehepaar, das sich auf dem Grundstück bewegte, aus einem Ofenrohr stiegt zarter Qualm empor, und auch uns war wohl, denn die Sonne schien zum ersten Mal kräfig bei einem leichten Wind von Nord. Unser Plan war, diese Leute in uns verliebt zu machen, damit sie uns den Garten überließen, zumindest aber mit uns teilten. Wir bastelten und schielten oft herüber, dort wurde gerade Kaffee aus der Hütte geholt und der windgeschützte Sonnenplatz aufgesucht, der Mann bereits mit bloßem Oberkörper, während wir ab und zu die Kapuzen enger ziehen mussten.

Also, wir bastelten. Wir schnitzen kurz und klein, wir glühten mit dem Glas Löcher in Hölzer, Rolf machte eine Tröte aus Hasel, verband Äste zu Kreisen und zuletzt hängten wir alles an ein Gestell aus Stecken.

Schnitzen beim Holzstoß Verbindung gelocht alle Objekte

Die beiden Gartenbewohner aber konnten wir nicht für uns gewinnen, sie blieben verborgen. Wir ließen die Objekte im Wald und fuhren nach Haus, es wurde schon Abend und kühler.