Der Grüne Mann auf der Florale im Berggarten – Sabine Strätger

Eine ironisch-heitere Auseinandersetzung mit Urmythos, Amigurumi und Makramee-Eule
Der Grüne Mann ist ein uraltes Symbol aus vorchristlichen Zeiten. Er ist der Sohn der Großen Mutter, der sowohl göttlich als auch menschlich den Frauen und Männern vieler Kulturen beistand. Sein steinernes oder holzgeschnitztes Gesicht, aus dessen Nase, Mund und Ohren Wurzeln und Laub hervorquellen, das in Laub übergeht oder aus Laub hervorgeht, ist eine Plastik, die an/in mittelalterlichen sakralen und profanen Gebäuden Europas zu finden ist, noch häufiger trifft man in England auf den Grünen Mann, der möglicherweise schon bei den Kelten Bedeutung hatte. Lady Raglan, eine volkskundlich interessierte Baronin aus Monmouthshire, die im Jahre 1939 an einer Studie über diese rätselhafte Figur gearbeitet hat, prägte den Begriff des ‚Grünen Mannes‘. William Anderson erkannte, „dass es in allen Erscheinungsformen des Grünen Mannes darum geht, das Menschliche mit der Natur zu verbinden. Er scheint die Manifestation eines Archetyps des menschlichen Geists zu sein, der sich zu verschiedenen Zeiten im volkstümlichen Bewusstsein immer wieder neu ausprägt.“ Er symbolisiert das Gewissen der Natur, und wenn wir uns den Zustand unseres Planeten vor Augen führen, sehen wir, dass uns der Grüne Mann fehlt.
Die ‚Florale‘ im Berggarten zeigt sein Gesicht.

Urban Knitting, au weia!
Es tauchen im städtischen Raum seit einiger Zeit umgarnte Objekte auf. Guerilla Knitting nennt man es, wenn’s verboten ist. Laternenpfähle, Wegepoller und Brückenpfeiler verlieren ihre nützliche Strenge und werden fröhlich bunt umhäkelt oder bestrickt. Überhaupt hat sich die ‚weibliche Handarbeit‘, wie sie in den 70ern in Schulen gelehrt wurde, modernisieren können. Menschen, vornehmlich Frauen, zunehmend auch Männer, besinnen sich der Tradition des Häkelns, Strickens und Knüpfens. Neu und hip sind die japanischen Amigurumis, bunte gehäkelte Püppchen und andere kleine Objekte des täglichen Lebens.

Wolle statt Stein: Der Grüne Mann als Amigurumi! Urban Knitting im Berggarten! So hat den Grünen Mann noch niemand gesehen!

Aus einem Reisebericht über den Hümmling um 1800, zitiert im Museumsführer des Museumsdorfes Cloppenburg: Die Wolle ist nicht sehr fein, aber lang und sehr brauchbar. Sie hat nun hinwiederum die Einwohner zum Spinnen und Stricken gereizt. Alle Hände, fast ohne Ausnahme, sind damit beschäftigt. Die Weiber jedoch mehr mit ersterem, die Männer und Kinder mit letzterem. Bauer und Bäuerin, Knecht und Magd, die Kinder vom fünften Jahr an – alles spinnt und strickt bis zum Grabe. So wie die Acker- und Hausarbeit einen freien Ausblick gewährt, gleich wird nach der Spindel, nach der Nadel gegriffen …“

Noch bis zum 28. Oktober 2018, Berggarten Hannover-Herrenhausen